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Was kann man von den Rußlanddeutschen erwarten, wenn sie in die Bundesrepublik kommen?
Die Rußlanddeutschen kommen aus einer anderen Welt, in der sie im letzten Jahrhundert blutig verfolgt wurden, eine Welt, in der sie den Staat nur zu oft als feindliche Macht erlebten, in der der Begriff "Rechtsstaat" unbekannt war, in der die Polizei nicht "dein Freund und Helfer", sondern ein Werkzeug der Unterdrückung war. Sie kommen aus einer Welt, in der man ihnen die Sprache weitgehend genommen hat. Sie waren vor die Wahl gestellt entweder Russen zu werden (oder Ukrainer, Kasachen usw.) oder eben in die Heimat der Vorfahren zurückzukehren, eine Heimat, die ihnen einerseits ein idealer Traum, andererseits doch auch fremd war.
Oft trafen sie auf Interesselosigkeit, manchmal auf Ablehnung. Sie müssen sich an diese neue Welt erst gewöhnen, sie müssen vor allem ihre deutsche Sprache erst wieder lernen.
Aber wir müssen ihnen auch die Möglichkeit dazu geben, also Sprachkurse und Kurse, die sie über die neue/alte Heimat informieren und über ihre Rechte und Pflichten aufklären und ihnen etwas über die bewegte, oft tragische Geschichte Deutschlands seit ihrer Auswanderung berichten.
Aber die Rußlanddeutschen müssen auch diese Möglichkeiten wahrnehmen. Wer nach Deutschland kommt, weil er Deutscher sein will (oder weil er als nichtdeutscher Familienangehöriger Deutscher werden will!), muss die deutsche Sprache beherrschen. Ich weiß, das ist nicht leicht, besonders, wenn man nicht mehr jung ist. Sprachen lernt man am besten als Kind. Trotzdem - wer hier als Deutscher unter Deutschen leben will, muss die deutsche Sprache lernen. Also sollen sie soviel Deutsch wie möglich sprechen, auch um der Kinder willen. Sie dürfen sich nicht in ein Ghetto zurückziehen, wie es leider oft der Fall ist, ein Ghetto, in dem nur Russisch gesprochen wird. Manche Rußlanddeutsche kaufen sich Spezialantennen für den Fernseher, damit sie russisches Fernsehen empfangen können. Ich kann das verstehen - es ist aber falsch! Das deutsche Fernsehen mag oft schlecht sein (ich weiß nicht, ob das russische Fernsehen viel besser ist), aber man lernt auch Deutsch durch das Fernsehen! Sie sollen sich nicht scheuen, mit "eingesessenen" Deutschen zu sprechen und sie dabei zu bitten, sie zu korrigieren, wenn sie etwas falsch machen. Sie werden dann feststellen, dass auch viele Deutsche, die hier geboren sind, Fehler machen. Sie sollen die russische Sprache nicht vergessen, es ist immer gut, wenn man mehrere Sprachen kann, aber sie sind Deutsche, sie wollen Deutsche sein, sie müssen die deutsche Sprache als ihre erste Sprache ansehen!
Sie müssen sich in der neuen, fremden Welt zurechtfinden, denn es soll ja ihre Welt werden. Dabei sollen sie ruhig auch kritisch sein und nicht alle Dummheiten der Zeit mitmachen, z.B. den Kult der Filmstars, die sklavische Nachahmung jeder noch so verrückten Mode, besonders wenn sie aus Amerika kommt. Die Bibel sagt "Prüfet alles - und das Gute behaltet!" Das gilt auch hier und heute.
Sie können und dürfen in einem Rechtsstaat viele Rechte wahrnehmen, sie müssen dabei aber lernen (wenn das auch viele alteingesessene deutsche Bürger nicht wissen!), dass es keine Rechte ohne Pflichten gibt! Eine wichtige Pflicht ist, dass man in Volk und Staat nach Möglichkeit mitarbeitet, dass man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Es sind vermutlich bereits weit über eine Million Rußlanddeutsche in Deutschland, sie haben die Rechte der deutschen Bürger, zum Beispiel das Wahlrecht. Sie müssen diese Rechte auch wahrnehmen, das ist ihre Pflicht! Mit Recht beklagen sich viele Rußlanddeutsche über bestimmte staatliche Maßnahmen, die zum Beispiel die Familienzusammenführung erschweren - aber durch ihre große Zahl sind sie eine Macht und könnten durch Wahlbeteiligung viel mehr Einfluss gewinnen, vor allem durch eine kluge Bündnispolitik, etwa durch Zusammenarbeit mit den anderen Vertriebenenverbänden. Alle politischen Parteien, alle Berufsverbände, etwa die Gewerkschaften, sind an aktiven Mitgliedern interessiert und es gibt hier viele Möglichkeiten im Großen und Kleinen, um mitzuwirken.
Sie sollen vor allem den deutschen Menschen über ihr Schicksal, das Schicksal ihrer Volksgruppe berichten, viele Probleme entstehen einfach dadurch, dass die Menschen in Deutschland zu wenig wissen über die vielen Millionen von Deutschen, die im Ausland als Deutsche lebten und leben - und in der Zeit der Kriege oft als Deutsche zu leiden hatten, nicht nur die Rußlanddeutschen!
Also: die deutsche Sprache lernen, die neue/alte Heimat kennen lernen und mitarbeiten, wo man kann, das kann man von jedem, der Deutscher sein will, erwarten, auch von den Rußlanddeutschen! Es wird oft schwer sein - aber es muss sein!
Götz Eberhard
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