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Letzte Hoffnung
Karl-Heinz Reed

Zunächst darf ich Sie alle recht herzlich begrüßen. Es ist gut, wenn der Mensch über seine eigenen Sorgen nicht den Kummer anderer Menschen vergisst. Hunderttausende Deutsche in Rußland sind heute in Gedanken bei Ihnen. Sie verkörpern ihre letzte Hoffnung! Schön, daß Sie gekommen sind!

Das Tor nach Deutschland muß für alle Deutschen - auch für die Deutschen aus Rußland - offenbleiben, weil alles andere gegen die menschliche Vernunft verstößt und nicht der Verantwortung gerecht wird, die wir als Deutsche gegenüber diesen Menschen von der Geschichte her haben.

Die bundesdeutsche Vereinigung "Heimat" hat sich an die Spitze einer Bürgerrechtsbewegung gestellt, die sich für die Rechte der Deutschen in und aus Rußland einsetzt .

An dieser Stelle möchte ich nicht versäumen, der Bundesvereinigung "Heimat" und ihrem Vorsitzenden, Herrn Viktor Uhl, meinen Dank auszusprechen. Alt- und Neubürger sind aufgefordert, aus Gründen der Menschlichkeit, der Vernunft und der Verantwortung gegenüber der deutschen Geschichte sich dafür einzusetzen, daß niemals Deutsche an der deutschen Grenze vor verschlossenen Toren stehen!

Der Anspruch der Deutschen aus Rußland, nach Deutschland ungehindert einreisen zu dürfen, leitet sich nicht nur von ihrer Abstammung her ab; er ist auch eine Art späte Gerechtigkeit.

Unbestreitbar ist die Tatsache, daß die Rußlanddeutschen unschuldige Opfer der Politik Deutschlands und Stalins waren und nie entschädigt worden sind. Stalin war es, der den Einmarsch der Wehrmacht in die Sowjetunion zum Anlaß nahm, um von einem Tag auf den anderen die autonome Republik der Wolgadeutschen, und alle anderen deutschen Kolonien und Siedlungen, gewaltsam zu zerschlagen.

Die Deutschen in Rußland hatten weder Hitler noch Stalin unterstützt, mußten aber die größten Opfer an Gut und Blut bringen, weil sie als Deutsche für die Taten Deutschlands in Sippenhaft genommen wurden. Wer Vertreibung und Todesmarsch nach Sibirien überlebte, hatte noch lange nicht das Ende seines Leidensweges hinter sich.

Lagerelend, Sklavenarbeit und brutale Unterdrückung waren noch viele Jahre nach Kriegsende Bestandteil des täglichen Lebens der Deutschen in Rußland. Es gibt kein größeres Unrecht in dieser Welt, das während und nach dem Krieg an Menschen begangen und bis heute weder gesühnt noch wieder gutgemacht wurde, wie das Unrecht, das die Sowjetunion an den Deutschen in Rußland verübte.

Zu diesem Unrecht gehört aber auch, daß diese Menschen von Deutschland vergessen worden sind. Es ist an der Zeit, heute einen Teil dieses Unrechtes wieder gutzumachen, indem wir, die Söhne, Töchter und Enkelkinder dieser Menschen, ungehindert nach Deutschland einreisen lassen.

Dazu fordern wir Alt- und Neubürger die Poliker in Berlin heute und jetzt auf!

Es ist eine Schande, wenn Deutsche an der Einwanderung nach Deutschland behindert werden. Die Bundesregierung ist stolz darauf, die Zahl der deutschen Aussiedler, die nach Deutschland kommen wollen, auf niedrigem Stand gehalten zu haben. - Mit anderen Worten: Einwanderung von Deutschen nach Deutschland verhindert zu haben! Jochen Welt (SPD) geht sogar noch einen Schritt weiter: er will, daß künftig Aussiedler ohne bestandenen Sprachtest abgeschoben werden.

Die Rußlanddeutschen sind eine Bereicherung für unser Land! Weil es sich um fleißige und strebsame Menschen handelt, sind die deutschen Zuwanderer eine echte Bereicherung für die Gesellschaft. Daran ändern auch Sprachschwierigkeiten einzelner Einwanderer nichts.

Deutsche Zuwanderer aus Rußland - und das steht außer Zweifel - würden in jedem Fall einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung der Renten leisten. In den Kreisen der deutschen Zuwanderer ist der Generationsvertrag noch stimmig. Bei den Rußlanddeutschen stimmt noch die Geburtenrate, und die Jungen arbeiten noch für die Rente der Alten.

Die Wirtschaft braucht neue Arbeitskräfte, lesen wir beinahe täglich in den Zeitungen. Auch hier können die Deutschen aus Rußland ihren Beitrag leisten. Man muß ihnen nur eine Gelegenheit dazu geben.

Liebe Landsleute, Altbürger und Neubürger, es ist an der Zeit , daß wir enger zusammenrücken und unsere Belange selbst vertreten. Alle denen das Schicksal der Deutschen in Rußland nicht gleichgültig ist, sind jetzt aufgerufen, zur Tat zu schreiten. Die Frauen und Männer der Bundesvereinigung "Heimat" werden Ihnen den Weg aus der Not zeigen. Ich freue mich schon heute auf ein Wiedersehen mit Ihnen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit .



 
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