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Deutsche aus Russland
(gekürzt)
Diese Jugendlichen sind Nachkommen der ehemaligen Wolgadeutschen, die einst meist aus dem Schwabenlande von Katharina der Großen nach Rußland geholt worden sind, um verstepptes Gebiet in fruchtbares Land zu verwandeln. Sie haben mit deutscher Tüchtigkeit an der Wolga saubere Orte angelegt, haben ihre deutschen Sitten und Gebräuche erhalten, oft sogar den schwäbischen Dialekt. (Gleiches leisteten die Deutschen in Ungarn, in Böhmen, noch viel früher in Schlesien und Ostpreußen. Es waren arbeitsame Menschen, die bald - auch durch ihre Schulen und ihre deutschen Tugenden - ein hohen Ansehen genossen).
Zu Stalins Zeiten sind diese Wolgadeutschen unter Umständen, die sich ein heute in Westdeutschland lebender Mensch nicht vorstellen kann, aus ihren Orten und Heimen nach Sibirien verschleppt worden. Viele waren bereits auf den Transporten umgekommen, die Überlebenden gelangten in eine schrecklich unwirtliche, kalte Steppe und mußten für den Kommunismus arbeiten. Sie kämpften um ihr Überleben, bauten sich dort wieder Häuser und Ortschaften, doch lebten sie ständig als Deutsche unter Russen, als Nichtanerkannte, denen man alle Schuld des 1. und 2. Weltkriegs anlastete. Aber sie lebten in intakten Großfamilien, die Generationen hielten zusammen, und die Alten erzählten den Jungen von dem schönen, sauberen, ordentlichen Land Deutschland. Sie träumten sich ein Land mit preußischen Tugenden. Die Kinder wurden zwar zuhause erzogen, doch in der Schule, mit ihren Kameraden, auf den Behörden standen sie unter dem Druck, russisch sprechen und denken zu müssen. Die meisten Nachgeborenen erlernten nicht mehr die deutsche Sprache.
Plötzlich eröffnete sich ihnen die Möglichkeit, aus ihrer Armseligkeit und Unterdrückung in das Land ihre Träume, nach Deutschland, umsiedeln zu können. Die meist jungen Erwachsenen ergriffen diese Möglichkeit, brachen alle Zelte in Sibirien hinter sich ab, nahmen ihre Kinder, oft auch ihre Eltern mit - in das gelobte Land, nach Deutschland. Zunächst gelangten sie in Auffanglager, z.B. in die Landesstelle Unna-Massen bei Dortmund. Dort bekamen sie ein Zimmer, eine kleine Wohnung und durchliefen die üblichen Behörden. Die Kinder wurden in die "Lager" -Schule geschickt und lernten die ersten deutschen Wörter. Sie staunten zwar über den hier vorgefundenen Wohlstand, doch alles war fremd und unbekannt. Sie waren endlich fast am Ziel, - aber das Heimweh schleppten sie mit, sie konnten sich nicht verständigen. Nach einigen Wochen wurden ihnen Wohnungen im Umkreis vermittelt, meist in leerstehenden Plattenbauten, oft mit Ausländern zusammen. Ein böses Wort wurde geprägt: "Die Russen" Weil sie die deutsche Sprache nicht sprechen konnten und auch meist keine für die westliche Welt brauchbare Ausbildung vorweisen konnten, wurden sie nun in ihrem Umfeld diskriminiert. Aber die meisten sind fleißig und harte Arbeit gewohnt, viele Erwachsene fanden eine Arbeit. Im Laufe der Jahre gelangten einige sogar zu einem eigenen kleinen Haus, sie sind sparsam und genügsam.
Seit dem Kriegsende kamen viele "fremde" Deutsche nach Westdeutschland. Etwa 13 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene kamen aus Ost- und Westpreußen, aus Pommern und Schlesien, aus dem Sudetenland. Es folgten Menschen, die aus Mitteldeutschland vor dem kommunistischen Regime geflohen waren, deutsche Menschen aus Rumänien (Siebenbürgen, Donauschwaben), aus Ungarn, aus der Slowakei. Sie kamen in ein zerstörtes Land, wurden in ausgebombte Städte und intakte Dorfgemeinschaften verteilt. Auch sie waren nicht erwünscht, wurden als störend empfunden, erlitten oft Diskriminierungen, nur, weil sie nichts mehr besaßen als das, was sie bei sich tragen konnten.
Aber auch sie brachten ihr Wissen, ihre Ausbildung und Bildung, ihren Fleiß mit. Natürlich sprachen sie die deutsche Sprache, auch wenn den Einheimischen mancher Dialekt fremdartig erschien. Sie integrierten sich, sie beteiligten sich in hohem Maße am Wiederaufbau, oft auch in Führungspositionen. Firmen wurde von ihnen gegründet. Die Kinder der Vertriebenen und Flüchtlinge lernten in damals noch disziplinierenden Schulen, allerdings oft im Schichtunterrricht und in großer Klassenstärke. Viele besuchten trotz großer Armut Universitäten, andere erreichten gute Berufsausbildungen. Schließlich hatten alle Deutschen Sorgen um das Überleben.
Es gab noch keine 68er-Revolten, querdenkende und aufgeputschte Jugendliche, die nichts mehr von der Nachkriegsnot kannten und wissen wollten, ihre Eltern als Nazis beschimpften, die "antiautoritäre Erziehung" und die freie Sexualität propagierten, linke Parolen brüllten und den "Marsch durch die Institutionen"antreten wollten. Sie haben dieses Ziel leider auf allen Gebieten zum Schaden Deutschlands erreicht.
Heute, nach 60 Jahren, leben nur noch die damaligen Kinder und Jugendlichen der Flüchtlinge und Vertriebenen, - auch bereits im fortgeschrittenen Alter. Trotz allem ist bei vielen tief im Herzen das Heimweh geblieben; sie erzählen nun ihren Enkeln von ihrer einst schönen Heimat oder fahren mit ihnen in ihre ehemaligen Städte und Dörfer.
Heimatrecht ist Menschenrecht" mahnte und forderte Prof. Dr. Dr. de Zayas. Dieses Menschenrecht ist bis heute mit Füßen getreten worden. Wie schwer muß es für die Deutschen aus Rußland, die aus einem völlig anderen Kulturkreis gekommen sind, hier in Deutschland zu leben sein!
Unsere neuen Politiker, die Kanzlerin Dr. Merkel, der SPD-Vorsitzende Platzek und unser Bundespräsident Köhler, die bemerkenswerter Weise alle jenseits der Elbe erwachsen und erzogen wurden, fordern nun wieder die deutschen, d.h. die preußischen Tugenden ein. Es wäre zu hoffen, daß sie Erfolg haben. Gemeinsam sollten wir, die Einheimischen, die Flüchtlinge, die Vertriebenen, die Aussiedler und die Spätaussiedler, es schaffen, - zum Wohle unseres Landes Deutschland.
Von Barbara Berger
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