Für Geschichte und Kultur der Deutschen aus Russland
"Die größte Strafe wär`es zu erfahren,
-Oh, Gott, mögst Du vor diesem uns bewahren,
Dass unser Kinder Herzen erkalten und versteifen
Und sie die Bindungen der Zeiten nicht begreifen".
Eugen Tkarew
Es naht der 65. Jahrestag des tragischen Datums - 28. August 1941. Mit dem Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR sind nicht nur die Liquidierung der Autonomen Republik der Wolgadeutschen und deutscher Kolonien, die Deportation fast aller deutschen Einwohner in rauhe und unbesiedelte Regionen des Ural, Sibiriens, Kasachstans und Mittelasiens, das Wegsperren des deutschen Volkes in die Arbeitslager, der Entzug aller seiner Bürgerrechte verbunden, sondern auch das Verbot der deutschen Sprache. Damit einher ging die Vernichtung der deutschen Kultur, aller deutschen Bücher - und die Schließung der deutschen Zeitungsverlage, Bibliotheken, Schulen und Universitäten. Dies alles hatte zur Folge, dass man die intellektuelle Elite des deutschen Volkes in der ehemaligen Sowjetunion fast komplett ausrottete und der deutschen Kultur, Volkskunst und dem historischen Erbe einen irreparablen Schaden zufügte.
Aber die Deutschen haben überlebt, unter den schwersten Bedingungen ist es ihnen trotzdem gelungen, ihre Kultur, ihre Volkstraditionen zu bewahren. Heute bemühen sich die Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion darum, ihre Geschichte wiedererstehen zu lassen, weil sie unter langjähriger Diskriminierung und dem Genozid keine Möglichkeit dazu hatten. Aus diesem Grunde ist es die Aufgabe unseres ganzen Volkes, die wahrhafte Geschichte und Kultur der Deutschen insgesamt wiederherzustellen und zu bewahren. Und dies müssen wir für unsere Nachkommen tun.
Das Problem besteht darin, dass es tatsächlich nicht so einfach ist, dies im Leben umzusetzen, alles zusammenzutragen, zu bearbeiten und zu vereinen. Dieses ist eine der grundlegendsten Aufgaben. Unsere Historiker, Schriftsteller, Maler, Bildhauer und Volks-kunstforscher besitzen kostbare Werke und Schöpfungen, die auf dem Schicksal ihrer eigenen Familien und ihres Volkes beruhen. Jede deutsche Familie aus der ehemaligen Sowjetunion verfügt über verschiedene sorgfältig aufbewahrte Dokumente, Briefe, Fotos von Familienangehörigen und Freunden aus jener Zeit. Viele Autoren, die zugleich Zeitzeugen sind, arbeiten daran, so schnell wie möglich die historische Wahrheit am Beispiel ihrer Familien und ihrer Abstammung für die Nachwelt niederzuschreiben und zu erhalten. Über 30 Maler und Bildhauer, die heute in Deutschland leben, bewahren ihre Werke, entweder zu Hause oder in ihren Werkstätten auf. Die Künstler stellen sich oft die Frage, was mit ihren Schöpfungen geschehen wird.
Eine große Sammlung von Volksliedern, für deren Bearbeitung zumindest eine äußerst kostspielige Technik nötig ist, wird bei dem weltweit einzigen anerkannten Kunstexperten für das alte deutsche Volkslied und ordentlichen Mitglied der Internationalen Akademien für Informatik und Geisteswissenschaften, Herrn Dr. Johann Windholz aufbewahrt. Und wie viele Volkslieder könnten noch in verschiedenen privaten Sammlungen gefunden werden!
Das Museum für russladdeusche Kulturgeschichte in Detmold, das auf Anregung von Frau Katharina Neufeld errichtet wurde, wird bis heute ehrenamtlich betrieben. Die Zukunft des Privatmuseums, das Herr Reinhold Zielke aufbaute, ist ungewiss.
Eigentlich wäre es schon längst fällig, ein zentrales Museum für Geschichte und Kultur der Deutschen aus der ehemaligen UdSSR auf staatlicher Ebene zu errichten.
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